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Kampfkünstler verfolgen ganz unterschiedliche Ziele und haben daher ganz unterschiedliche Vorstellungen von einem Training: die einen möchten einem Idol nacheifern, andere wollen in Wettkämpfen siegreich sein, viele möchten sich einfach besser wehren können, manche sind auf der ewigen Suche nach neuen Herausforderungen und wiederum andere lassen sich einfach nur vom Training inspirieren und wollen Spaß haben. Dabei machen sie ihre Fortschritte zumeist von den Geschicken des Trainers abhängig. Er muss motivieren, er muss fordern, er muss steuern, er muss korrigieren. Schließlich investiert man Geld und dafür kann Leistung erwartet werden. Laut unserer Erfahrung halten viele, die eine Kampfkunst trainieren, nicht länger als zwei Jahre durch, manche trennen sich bereits schon nach einem Jahr. Ebenfalls konnten wir beobachten, dass ca. 95% aller Kampfkünstler eine Trainingsdauer von 3 Jahren nicht überstehen, wohingegen z. B. Fuß- oder Handballer i. d. R. ihrem Sport ein Leben lang treu bleiben. Es sieht alles danach aus, als ob die Kampfkunst ein Problem hat...

Es gibt gute Gründe dafür anzunehmen, dass sich dieses Problem aus den von vielen Kampfkünstlern selbst über sich zusammen gezimmerten Laudationen, aus einem - der Kampfkunst gegenüber - eher distanzierten und unglücklich informierten Sportjournalismus und den naiv-gutgläubigen Konsumenten dieser Informationen, die mit dem Wort „Kampfkunst“ i. d. F. grundsätzlich etwas übernatürliches verbinden, addiert. So wird die Kampfkunst zu einem schier unendlichen Angebot an Fertigkeiten stilisiert, die das unbesiegbare, das geheimnisvolle und menschlich unfassbare in sich vereint. Ergo: Wer eine Kampfkunst trainiert, wird zum Insider, wird Bestandteil dieser Fertigkeiten, eingeschworen auf die ehrenwerten moralisch-ethischen Grundsätze aller Samurais und aufgenommen im „Bund der Geheimtechniken“.

Dennoch: Jeder Mensch unterliegt natürlichen Grenzen bzw. Gesetzmäßigkeiten. So z. B. kann niemand wirklich fliegen, Gedanken lesen, sich in Luft auflösen, seinen Körper unverwundbar machen, ohne Berührung Energie auf jemand übertragen oder schneller als der Schall sein. Auch die Bezeichnung „übermenschliche Kräfte“ weist schon auf Kräfte hin, die kein Mensch besitzen kann. Demnach bleibt selbst der kräftigste Mensch dieser Erde ein Mensch, der lediglich durch ein spezifisches Training zu diesen Fähigkeiten kam. Ebenso verhält es sich mit dem schnellsten, mit dem am höchsten springenden, mit dem am besten gedehnten, mit dem am tiefsten tauchenden oder mit dem am kraftvollsten schlagenden Menschen. Es gibt aber keinen Menschen auf dieser Erde, welcher alle diese Fähigkeiten in sich vereint und so mit dem kräftigsten, dem schnellsten, dem am höchsten springenden, usw. Menschen dieser Erde konkurrieren könnte.

Jemand, der Interesse an einer Kampfkunst hat, wird unweigerlich mit den vielen Vorurteilen, Mythen und Sagen konfrontiert werden. Lässt er sich i. d. F. seines Interesses auf ein Training ein, wird er über die Realität der Kampfkünste stolpern müssen – der Eine früher, ein Anderer später. Bedeutet: Spätestens wenn die Sportler lebensnah erfahren, wie klein die Schnittmenge der Theorie aus den vielen Publikationen und Filmen mit der Praxis in den Vereinen und Schulen ist, springen die meisten ab. Außerdem realisiert sich dann auch die bisher theoretische Erkenntnis, nur mit hartem und kontinuierlichem Training Erfolg haben zu können. Die Betreffenden werden dabei auf eine recht unangenehme Art und Weise mit sich selbst konfrontiert.

In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie man einer derartigen Entwicklung entgegensteuern kann. Aus meiner Sicht können gerade Vereine bzw. Schulen eine Menge dazu beitragen, die Situation für Interessenten zu verbessern. Natürlich möchte jeder Verein bzw. jede Schule so viele Mitglieder wie möglich haben. Daher fällt die Werbung, zumeist per Handzettel und/oder Homepage, recht protzig und prahlerisch aus. Es sollen durch die Werbung Assoziationen erzeugt werden, die den Leser dazu veranlassen, vor seinem geistigen Auge das Bild eines unüberwindbaren Kämpfers und eines ultimativen und unbesiegbaren Kampfstil entstehen zu lassen. Was bei dieser Art der Werbung zumeist ins Hintertreffen gerät, sind die einfachen, ehrlichen und realistischen Aussagen und Informationen über den Verein/die Schule und dessen/deren tatsächliche Intentionen, Methoden und Philosophien.

Gerade über diese Informationen gewinnt ein Verein/eine Schule an Authentizität und Profil. Nicht, was ein Trainer für Gürtelgrade besitzt ist entscheidend, sondern seine Qualität als Mentor und Mensch. Nicht die Unbesiegbarkeit eines Stils ist von Bedeutung, wohl aber dessen Eigenschaften, wie z. B. seine Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an jeden Interessenten. Wie viele erfolgreiche Schüler ein Verein oder eine Schule auch immer hervorgebracht hat: es verliert an Bedeutung, sofern man die vielen nicht erfolgreichen Schüler dieser Schule gegenrechnet. Entscheidend ist also die Bodenständigkeit der Informationen, welche wiederum den Wert der Seriosität eines Anbieters ausmachen. Gerade seriöse Vereine und Schulen sollten sich deutlich von unseriösen Schulen abheben, indem sie in ihrer Werbung auf „sensationelle“ Aussagen verzichten. Können und Kompetenz sind menschliche Eigenschaften, die weder durch eine Farbe noch über eine Urkunde heraufzubeschwören sind. Dies muss nicht heißen, dass die Werbung dadurch lascher oder langweiliger wird – sie verändert sich lediglich in ihren Grundaussagen.

Dazu vielleicht ein paar Denkanstöße

  • Päppeln Sie Ihre Homepage auf, indem sie auch über Hintergrundwissen informieren, an das man so ohne Weiteres nicht herankommt – aber Achtung: recherchieren Sie gut und übernehmen Sie nicht leichtfertig die Informationen, die Sie bereits von Ihrem Trainer/n gehört haben! Bedienen Sie auf Ihrer Homepage so wenig Klischees, wie möglich. Geben Sie keine Garantie für eine 100%ge „Wirkung“ Ihrer Angebote ab. Seien Sie ehrlich zu Ihren Lesern und schreiben Sie sowohl darüber, was Sie bisher mit Ihrem Verein/Ihrer Schule erreicht haben, als auch etwas über die Grenzen Ihrer Angebote. Sie können natürlich auch über Ihre Stärken schreiben, bzw. über die Vorteile, die ein Interessent hat, wenn er Ihren Verein bzw. Ihre Schule besucht - bleiben Sie aber immer Bodenständig! Geben Sie den Lesern immer die Möglichkeit, auf Ihre Veröffentlichungen zu reagieren.

  • Seien Sie konstruktiv im Umgnag mit Sportjournalisten. Diese recherchieren besonders in den Randsportarten nicht immer geradlinig und genau. Da werden z. B. Namen und Sachverhalte vertauscht oder wichtige Informationen durch Globalwissen ersetzt. Vorsicht also z. B. vor verfälschten Aussagen, die Sie evtl. in ein falsches Licht rücken könnten. Setzen Sie sich daher intensiv mit Ihrem Kontakt z. B. bei Ihrer kommunalen Zeitung auseinander. Informieren Sie diesen genauestens über Ihre Intentionen und die Inhalte Ihrer Publikation und lesen Sie den fertigen Artikel notfalls vor einer Veröffentlichung noch einmal gegen. Eine Garantie für Überraschungen gibt es leider dennoch nicht!

  • Bei der Werbung per Handzettel gelten im Grunde genommen die gleichen Regeln, wie für die Homepages: solide und ehrliche Informationen. Schreiben Sie nur das, was Sie tatsächlich zu leisten im Stande sind und werfen Sie alles über Bord, was die Vorurteile der Kampfkunst in der Öffentlichkeit noch weiter schürt. Gerade bei Handzetteln gilt: weniger ist mehr. Da die meisten Leser Handzettel nur kurz überfliegen, bevor sie über dessen Verbleib entscheiden, müssen die wichtigen Infos entsprechend deutlich rüberkommen. Keine Versprechungen und keine Übertreibungen sondern nur klare Fakten.

Denken Sie daran: Mit Ihrer Werbung projizieren Sie nicht nur ein Profil Ihres Vereins/Ihrer Schule in die Öffentlichkeit, sondern beeinflussen ebenfalls das Bild der Kampfkunst in der Gesellschaft. Damit tragen auch Sie die Verantwortung dafür, welches Ansehen die Kampfkunst in der Öffentlichkeit hat bzw. haben wird. Je mehr Vereine und Schulen sich ihrer Verantwortung bewusst sind, umso eher wird das schiefe Bild vom einzelkämpfenden, ehrenwerten und unbesiegbaren Kämpfer zugunsten eines tollen und individuellen Sportes geradegerückt. Vielleicht könnten dadurch viele Enttäuschungen verhindert und neue Interessenten gewonnen werden.

Anmerkung:

Dieser kleine Artikel soll lediglich auf die angesprochenen Probleme Hinweisen und mögliche bzw. gängige Lösungen ansprechen. Da es in der heutigen Zeit äußerst schwierig ist, überhaupt noch an Ursprungswissen zu kommen, sind sachliche und/oder geschichtliche Fehler bzw. Ungenauigkeiten praktisch unvermeidbar. Sicher werden Sie auch auf unseren Seiten auf einige dieser Dinge stoßen, obgleich wir sehr sorgfältig recherchiert haben. Die einzige "Waffe" hiergegen ist, sich gegenseitig zu informieren und auf diese Fehler in guter Absicht hinzuweisen. Fehler passieren eben, dies sollte allerdings kein Freibrief dafür sein, grundsätzlich Klischees zu bedienen.

 
 

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