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Recht und Kampfkunst ist ein äußerst schwieriges Thema und wird häufig zu Lasten einer vernünftigen Aufklärung verdrängt bzw. nur am Rande diskutiert. Das Zitieren der rechtlichen Grundlagen von Notwehr und Nothilfe ist in vielen Vereinen und Kampfkunstschulen einziger Berührungspunkt mit den gesetzlichen Bestimmungen. Darüber hinaus überlagern oft ethisch-moralische Denkstrukturen eine sachliche Auseinandersetzung, da die „Krieger und Kämpfer“ der verschiedensten asiatischen Kampfsportarten ihr Handeln ausschließlich aus humanistischer Sicht sehen: der Aggressor ist ein vom rechten Weg abgekommener Bösewicht. Die Aufgabe des Kampfsportlers besteht nun darin, diesem Bösewicht eine „Lehre“ zu erteilen, um ihn wieder auf den rechten Weg zu führen. Aus dieser Sicht erübrigt sich der Blick auf die hiesige Gesetzgebung, da ein „Experte der Selbstverteidigung“ selbstverständlich nur die für den Partner (der Begriff „Gegner“ existiert in dieser Denkstruktur nicht) schonenden Techniken erfolgreich einsetzen wird.

Demnach kann ein Kampfsportler seine Techniken dosieren, wie der Apotheker seine Arznei oder der Koch die Gewürze und liegt damit weit unter dem Maximum der rechtlich legitimierten Härte. Die Überlegenheit des Kampfsportlers gegenüber dem Aggressor wird als gegeben betrachtet, dementsprechend hoch ist die Anforderung an das Verantwortungsgefühl des Unbesiegbaren. Nur ein anderer Kampfsportler stellt eine wirkliche Gefahr dar und wird als „Gegner“ anerkannt. Ein Kampf zweier Kampfsportler ist daher auch immer ein „gerechter“ Kampf nach bestem Wissen und Gewissen. Es geht dabei immer um edle Gründe, wie Ehre, Anerkennung und Mut.

Beim Lesen dieser Zeilen werden Ihnen die Parallele zu einigen „Samurai-Filmen“, bzw. „Eastern“ nicht entgangen sein. Tatsächlich wird in vielen Kampfsportschulen in dieser Art der Ernstfall thematisiert und genau diese Botschaft der „unbesiegbaren Kampfsportler“ in die Welt getragen. Diese – für europäische Verhältnisse – eigentlich eher skurrile und weltfremde Auffassung, trägt sich in Kampfsportkreisen praktische von selbst - die Auswirkung gruppendynamischer Prozesse lässt auch den letzten Zweiflern kaum eine Chance.

Selbst in juristischen Kreisen, denen Coolness und Bodenständigkeit nachgesagt wird, scheint sich diese Art des Denkens über Kampfsportler längst manifestiert zu haben. Bei meiner Recherche zu diesem Thema stieß ich auf viele Berichte, die den rechtlichen Rahmen für Kampfsportler kritisch hinterfragten, so wie diesen: Kampfsport und Notwehr. Wer sich allerdings mit der Realität des Ernstfalles auf der Straße intensiver Beschäftigt und die Möglichkeiten des Kampfsportes und der Kampfkunst mit einschließt, wird bereits an dieser Stelle auf Widersprüche stoßen: wie z. B. lässt sich der prägende, sportliche Charakter, der jedem Kampfsportler „eingeimpft“ wird, auf die unfaire und unsportliche Situation der Straße übertragen? Wie gut stehen die Chancen eines Schwarzgurtträgers einer Kampfsportart, wenn er nicht im Terrain seiner Meisterschaft, sondern in dem eines Straßenschlägers agieren muss? Gibt es tatsächlich den 7. Sinn im Kampfsport, also kann ein Kampfsportler z. B. Angriffe tatsächlich vorausahnen, Angriffe aus optisch ungünstigem Blickwinkel mit dem "dritten Auge" besser sehen und mehrere Angreifer um sich scharen, um sie – alà Bruce Lee – sach- und fachgerecht aufs Parkett zu legen und werden derartige Dinge tatsächlich in Kampfsportarten trainiert? Wie sieht es mit den physischen Fähigkeiten der Kampfsportler aus: sind sie tatsächlich „allzeit bereit“ und können unvorbereitet einen vernichtenden Spagat-Kick ausführen, ohne dass sie muskuläre Konsequenzen befürchten müssen? Sind sämtliche Kampfsportkörper tatsächlich – auch wenn "nur" amateurhaft trainiert – stahlhart, pfeilschnell, granatenstark und konditionell topfit?

Oder handelt es sich bei der überwiegenden Anzahl der Kampfsportler in Deutschland doch eher um Freizeitsportler, die oft auch unregelmäßig zum Training erscheinen, realistisch fremd in weißen Anzügen und mit Barfüßen trainieren, sich eigentlich nicht wirklich verletzen wollen, daher Selbstverteidigungstechniken Partner-schonend trainieren und ihr physisches als auch psychisches Heil in die Autorität des Trainers legen? Gibt es daher auch die vielen Limitierungen bei Wettkämpfen, wie z. B. die verschiedenen Gewichts- und Altersklassen, die Limitierung der Kampfzeit und der Kampffläche, die limitierte Anwendung von Techniken und die Aufsicht eines Kampfrichters? Wenn dem so wäre: wodurch unterscheidet sich dann genau der „gemeine“ Kampfsportler von z. B. einem Fußballer? Haben die Kicks eines Kampfsportlers - geübt mit Barfüßen an Handpratzen und Schutzanzügen und bei Kämpfen zumeist im Leichtkontakt - nicht einen entscheidenden Nachteil gegenüber den Kicks eines Fußballers: fehlende Realitätsnähe?

Nach all diesen Fragen: was macht einen Kampfsportler in Deutschland eigentlich tatsächlich so gefährlich, dass man ihn rechtlich anders behandelt, als z. B. einen Fußballer, dessen aggressives Potenzial (z. B. in den Zweikämpfen) weitaus höher liegt? Dies alles sind für Sie sicherlich sehr provozierende Fragen, daher bitte ich Sie, diese vielleicht noch einmal – aus einem neutraleren Blickwinkel - durchzulesen. Vielleicht steigen bei Ihnen jetzt schon die Zweifel Ihrer bisherigen Ansicht über Kampfsportler, vielleicht erkennen Sie jetzt schon den Unterschied zwischen Mythos und Realität im Kampfsport?

Begleiten Sie mich bei meinen Fragen und Gedanken im Bezug auf die rechtlichen Gegebenheiten in Deutschland (die für jeden Bürger gelten), der Aufarbeitung des Ernstfalles (so wie er sich jedem von uns darstellt), die Möglichkeiten, die jeder von uns biologisch und psychologisch mitbringt (z. B. Reaktionsvermögen, Anpassungsfähigkeit, Angst und Selbstbewußtsein) und letztlich meinem Fazit. Nehmen Sie mit mir Teil an diesem kleinen interessanten Exkurs. Leiden und ärgern Sie sich mit mir über die gesellschaftlich festgefahrenen Ansichten über sportliche und rechtliche Realitäten und geben Sie mir Ihre Rückmeldung in Form einer Email oder eines Eintrages in unserem Forum. Gerne können auch Sie einen Bericht verfassen, der zu diesem Thema passt. Schreiben Sie über Ihre eigenen Erfahrungen oder Sichtweisen - wir werden Ihre Arbeit hier unter Ihrem Namen veröffentlichen.

Aber - vielleicht leiden und ärgern Sie sich gar nicht mit mir sondern über mich, weil ich der Verfasser dieses - Ihrer Meinung nach - großen Unsinns bin? In diesem Fall können Sie mir natürlich ebenfalls eine Email schicken oder mit mir im Forum diskutieren. Darüber hinaus können Sie gerne auch Ihr Meinung in Form einer Abhandlung schreiben - wir werden diese dann hier unter diesem Thema und unter Ihrem Namen veröffentlichen. Letztlich ist es Intention, einen Gedankenaustausch über dieses Thema zu initiieren und stattfinden zu lassen und nicht ein weiteres Dogma in die Welt zu setzen!

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