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Hier im Fazit werde ich noch einmal kurz zusammenfasse, worum es im Kern geht. Dabei werde ich mir Mühe geben, um das von den Medien und den traditionellen Kampfkünsten geprägte Bewusstsein über den „einsamen, unbesiegbaren Samurai“ noch mehr zu entkräften.

Fazit im Bezug auf die Juristen:

Im Kontext zu den vorherigen Inhalten gibt es aus meiner Sicht keinen Grund für einen Richter anzunehmen, ein Kampfsportler hätte einen Vorteil gegenüber einem anderen „normalen“ Menschen in einem Ernstfall. Es sei denn, es handelt sich bei diesem Kampfsportler um ein Mitglied der GSG9, des SEK oder sonstigen, für den Ernstfall ausgebildeten Eliteeinheiten. Kampfsporttechniken lassen sich im Ernstfall weder dosieren noch einem "Feintuning“ unterwerfen. Um überhaupt eine Gefahr von sich (und/oder anderen Menschen) abwenden zu können, muss das Opfer möglichst hart zuschlagen, zutreten, werfen, würgen, hebeln, etc - damit nimmt es für sich in Anspruch, sein Leben und seine Gesundheit vor dem Leben und der Gesundheit des Täters zu schützen.

Kein Kampfsportler bzw. Kampfkünstler kann den Ernstfall so üben, wie er realistisch stattfindet. Dazu fehlt zum Einen ein realistischer Überraschungseffekt, das psychologische Ereignis von Stress (z. B. Todesangst, Starre, Fluchtwunsch) und das biologische Ereignis der Adrenalin-Ausschüttung (z. B. Kraftlosigkeit, Kniezittern). Außerdem möchte man seinen Trainingspartner im Training nicht verletzen, von daher laufen Übungen in Richtung Ernstfall-Training immer und grundsätzlich kontrolliert ab – im Gegenteil zur Realität.

Dann haben wir da natürlich das Problem mit der Reaktionszeit und dem Gesetzbuch: wenn man bedenkt, wie wenig Zeit ein Kampfsportler für seine Reaktionen hat (wenn er überhaupt noch reagieren kann), ist es unmöglich, innerhalb dieser Zeit den Härtegrad des Angriffes bzw. der Angriffswelle aufzunehmen, zu klassifizieren und dann – möglichst schnell - innerlich die passende (rechtlich haltbare) Gegenwehr zu finden, um die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu wahren. Jeder Entscheidungsschritt, den der Verteidiger in einer Verteidigungshandlung durchführen muss, kostet Reaktionszeit, die ihm letztlich schadet. Komponenten, wie z. B. die Nervenreizleitergeschwindigkeit sind biologische Größen, die so sind, wie sie sind. Eindrucksvoll hat diese Thematik übrigens Sifu K. R. Kernspecht in seinem Buch „Vom Zweikampf“ dargestellt. Dort setzt er die gesamte Abwehrzeit eines Verteidigers in Relation zur Schnelligkeit eines Angriffes – sehr lohnenswert, sich dies einmal vor Augen zu halten.

Fazit im Bezug auf den Kampfsport:

Gut wäre es, wenn die vielen Trainer der Kampfsportarten endlich realisieren und thematisieren würden, dass Sie eben nicht unbesiegbar sind, es keine Geheimtechniken gibt (die man 0-8-15 auf der Straße mit 100%er Sicherheit anwenden kann48) und das der Kampfsport für sich die schlechtesten Voraussetzungen hat, um Straßentauglich zu sein.

Da hat z. B. das „moderne“ Ju-Jutsu mit folgendem Slogan geworben: „1000 Techniken für 1000 Gelegenheiten“. Auf den ersten Blick ein klasse Spruch – wenn man diesen Slogan allerdings auf seinen Realitätsgehalt reduziert, möchte man meinen, er ist von einem Anfänger konzipiert worden. Wer ist wirklich noch naiv genug anzunehmen, dass er im Ernstfall auf der Straße in Bruchteilen von Sekunden tatsächlich unter 1000 Techniken die für einen bestimmt Angriff des Täters richtige herauszufindet, die zudem auch rechtlich unumstritten ist?

Genau diese Dinge sind es aber, die das Gesicht des Kampfsportes nach außen hin prägen: diese unglaublichen Mythen und Sagen, die sich der Kampfsport um sich selbst bastelt. Da gibt es die Schläge, die man Wegatmen kann oder mit denen man anderen einen energetischen K.O. verpassen kann, ohne ihn zu berühren, oder die „magischen Finger“, mit denen man seinen Partner nur Berühren muss, damit dieser zusammenklappt, usw. Ein unendliches Angebot an Tricks die immer wieder das unbesiegbare, das geheimnisvolle und menschlich unfassbare Gesicht des Kampfsportes zeigen soll. All diese Dinge verzerren das Bild nach außen. Manchmal stellt sich mir die Frage, warum Kampfsportler nicht längst mit Zirkus- und Varietéauftritten ihr Geld verdienen.

Appell

Der Ernstfall ist keine Spielwiese. Es ist weder von Seiten der Juristen nötig, Sportarten hierarchisch nach ihrem Nutzen für Ernstfälle zu klassifizieren, nur um im Nachhinein mit der nötigen Zeit zur Recherche ein rechtliches Geschütz gegen Kampfsportler aufzufahren, noch von Seiten der Kampfsportler in die Welt zu tragen, wie glanzvoll, meisterhaft und unbesiegbar sie doch sind. Beides entspricht weder der Realität, noch dem gesunden Menschenverstand.

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