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Schauen wir uns jetzt also einmal den Ernstfall an, so, wie er sich in den meisten Fällen in der Realität darstellt. Übrigens verstehe ich unter dem Begriff „Ernstfall“ jegliche Übergriffe eines Täters auf sein Opfer mit Hilfe von Waffen- oder Körpergewalt aufgrund eigennütziger Beweggründe. Dies ist keine offizielle Definition sondern soll nur der Annäherung Ihrer Gedanken mit den Meinigen dienen, bzw. deren Unterschiede klarstellen und/oder verdeutlichen. Fangen wir einfach mal damit an uns zu überlegen, unter welchen Voraussetzungen eigentlich ein Täter agiert. Wir müssen uns also jetzt in die Lage des Bösewichts versetzen, was mir – komischerweise – nicht so schwer fällt. Wen wird wohl ein Täter eher angreifen: einen großen starken oder einen kleinen schwachen Menschen? Kein Täter wird sich ein – vom äußeren Anschein her – problematisches Opfer aussuchen. An dieser Stelle den obligatorischen Satz, den Sie sich bitte bei weiteren Ausführungen dieser Art immer selbst hinzudenken: Ausnahmen bestätigen die Regel!

Ein Täter sucht sich also zumeist schwächere Gegner. Weiterhin wird ein Täter seinem Opfer nicht zuerst einen Brief mit Datum und Uhrzeit seines Übergriffes schicken – damit würde er nur einen weiteren Vorteil aus der Hand geben: den „Überraschungseffekt“. Sind Sie schon einmal so richtig von einem Freund erschreckt worden? Wissen Sie noch, wie es Ihnen dabei ging und dass Sie a)mindestens eine Sekunde völlig handlungsunfähig waren und b) weitere Sekunden benötigten, um sich erst einmal abzureagieren? Waren Sie schon einmal Zeuge eines unglaublichen Ereignisses, wie z. B. einem Autounfall, einem Lottogewinn, einem Flitzer-Lauf oder einer Begegnung mit Außerirdischen (kleiner Scherz)? Wie lange haben Sie benötigt, um zu realisieren, dass das Ereignis etwas Besonderes war und wie lange haben Sie benötigt, um sich klarzumachen, dass Sie selbst Beobachter dieser Szenerie waren? Wie also könnte ein Opfer reagieren, das plötzlich und unerwartet mit einer unglaublichen und persönlich bedrohlichen Szenerie - verkörpert durch einen/mehrere (maskierte/n) Täter - konfrontiert wird?

Da die meisten Täter ihre Tat kurz- oder langfristig planen, beschäftigen Sie sich sowohl intellektuell als auch psychisch mit der Tat. Intellektuell wissen Sie über das Unrecht ihrer Tat und die rechtlichen Konsequenzen, sofern sie erwischt werden. Demnach ist Anonymität oberstes Gebot, das es – u. U. mit allen Mitteln - zu schützen gilt. Eine oft unterschätzte Problematik, denn unmaskierte Täter setzen sich einem für sie hohem Risiko aus. Dementsprechend rücksichtslos kann die Vorgehensweise von Tätern sein. Biologisch gesehen steht der Täter natürlich auch unter Stress, das Hormon „Adrenalin“ wirkt bei ihm eher aufputschend – einem „Thrill“ ähnlich. Er befindet sich also schon vor seiner Tat im „Kampfrausch“, der ihn wiederum – aus psychologischer Sicht - Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein injiziert.

Ein letztes Phänomen bei Tätern ist noch das fehlende Mitleid mit ihrem Opfer. Immer häufiger wird gnadenlos auf das Opfer eingeprügelt, wird es misshandelt und erniedrigt, ohne ersichtlichen Hintergrund. Ich möchte jetzt nicht auf die Gründe solcher Verhaltensweisen eingehen, diese könnten als Entschuldigung leicht missverstanden werden. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass die Gewaltbereitschaft bei den Tätern um ein Vielfaches gestiegen ist und die Wahrscheinlichkeit des Opfers auf körperliche Unversehrtheit minimal ist.

Schauen wir kurz auf die Opfer: da sie keinen Brief vom Täter bekommen haben, trifft es sie überrascht und unvorbereitet. Vielleicht beim Spaziergang, vielleicht nach dem Einkauf, dem Kino, der Diskothek, einem Kochkurs oder dem Selbstverteidigungstraining usw. Innerlich sind sie bei angenehmen Gedanken und Erkenntnissen, beim Träumen, Planen oder sonstigen Vorhaben. Gesundheitsgefährdende oder lebensbedrohliche Konfrontationen mit einem Gewalttäter stehen schließlich nicht auf der Tagesordnung.

Bei einem Angriff reagieren Opfer daher schockiert, gelähmt, alles läuft wie im Film ab – es gibt keine vergleichsweisen Situationen der Vergangenheit, aus denen sie evtl. Parallelen für die jetzt so wichtigen Interventionen ziehen könnte. Sie sind auf sich allein gestellt, haben kaum Zeit die Situation richtig zu begreifen und das eigene Handeln zu kontrollieren. Sie wirken wie ferngesteuert, wie Zombies, haben große Probleme, die Realität so aufzunehmen, wie sie sich im "hier und jetzt" darstellt. Da es sich hierbei um eine absolut untypische und stressbehaftete Situation handelt, schüttet auch der Körper des Opfers das Stresshormon „Adrenalin“ aus. Dieses wirkt allerdings in den meisten Fällen kontraproduktiv und erzeugt häufig ein „Kniezittern“ und ein Kraftlosigkeitsgefühl. Psychologisch gesehen läuft ein evolutionär bedingtes Stressverhalten ab, wie wir es von Tieren kennen. Allerdings: Da das Opfer – gegenüber den Tieren – über sich selbst bewusst ist und auch in solchen Stresssituationen der Intellekt nie ganz ausgeschaltet ist, wird das Fluchtverhalten (wegen den Androhungen des Täters) unterdrückt. Manch ein Opfer denkt an die Kindheit und die damit verbundenen Geschichten vom „schwarzen Mann“…Sie werden jetzt vielleicht schmunzeln, aber genau diese verdrängte Angst vor dem „schwarzen Mann“ macht es dem Opfer schwer, kontrollierte, strategische Handlungen auszuführen. Der Täter verkörpert den Albtraum der Kindheit – natürlich unbewusst. Das Opfer wird unweigerlich in einen Strudel aus Selbstmitleid und „sich in sein Schicksal fügen“ gezogen und sucht Antworten auf die Fragen "was habe ich falsch gemacht?" und "warum ich?".

Jetzt – so glaube ich – habe ich die Situation ausreichend beschrieben, um zu verdeutlichen, dass die Vorteile eines Täters gegenüber seinem Opfer deutlich überwiegen. Er bestimmt Ort, Zeitpunkt und Vorgehensweise der Handlung, ist in Kampfrausch, vollgepumpt mit Adrenalin und hat mit Recht- und Unrechtsgedanken bereits abgeschlossen. Das Opfer ist überrascht und überwältigt von den plötzlich bedrohlichen Ereignissen, Adrenalin bewirkt bei ihm Kniezittern und ein Kraftlosigkeitsgefühl, Selbstmitleid steuert zunächst die Handlungen, das Opfer muss sich zuerst in „Kampflaune“ bringen, um überhaupt eine Chance zu haben. Bitte denken Sie daran: auch ein Kampfsportler wird nicht anders reagieren, wenn er überrascht wird. Die hier ablaufenden Prozesse sind weder „abtrainierbar“ noch anderweitig durch ein Training beeinflussbar. In Filmen wird dies zwar immer anders dargestellt, aber niemand von uns kann die biologischen und psychologischen Prozesse derartig steuern – auch Biologen oder Psychologen nicht, denn auch sie werden Opfer von Gewalttaten.

Einzige Ausnahme bilden hier die Spezialeinheiten der Länder, des Bundes und der Bundeswehr. Diese werden explizit auf derartige Stresssituationen geschult und trainiert. Außerdem arbeiten sie grundsätzlich in Teams (unterstützten sich also gegenseitig) und werden dort eingesetzt, wo sie den „Täter“ spielen können und haben damit wiederum alle Vorteile auf ihrer Seite.

Sie erkennen die Botschaft? „Opfer sein ist scheiße und birgt nur Nachteile“ – so könnte man es kurz in einem Satz zusammenfassen. Worüber ich noch nicht gesprochen habe und was ich jetzt nur am Rande thematisieren möchte: Opfer leiden nicht nur während eines Übergriffes, sondern auch danach. Manche erholen sich physisch und/oder psychisch nie mehr wieder von dieser Situation. Zudem müssen sie – wie ich schon in der rechtlichen Betrachtung erwähnte – um ihr Recht vor Gericht kämpfen und dann ist noch nicht einmal klar, ob der Täter auch tatsächlich bestraft wird. Sie erinnern sich an den Rechtsgrundsatz „In dubio pro reo“? Wenn jetzt auch gerade jüngere Leser meinen, dies würde immer nur die älteren Menschen betreffen, so ist es ein Irrtum. Gerade auch jüngere Menschen werden immer häufiger Opfer von Gewalttaten, besonders zwischen dem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr, besonders Männer!

Wie könnte also jetzt die Quintessenz hier aussehen? Also zunächst einmal ist jede Situation eines Übergriffes von einem Täter auf ein Opfer anders. Oft werden z. B. Jungen und Männer ausgeraubt - „Abziehen“ nennt man so etwas in der Jugendsprache. Das Problem hierbei: es gibt nicht nur einen Täter, sodass eine Gegenwehr praktisch unmöglich gemacht wird. Auch die spätere rechtliche Verfolgung der Täter wird erschwert, da die Opfer z. T. derb eingeschüchtert werden oder sich die Täter gegenseitig mit ihren Aussagen „decken“. Weiterhin gibt es die sogenannten „Schlägereien“, wobei die „gemeine Schulschlägerei“ noch den harmloseren Teil darstellt - obwohl sich auch hier die Qualität der Härte dramatisch ins Negative verändert hat. Auch an Schlägereien sind zumeist nicht nur einzelne Täter beteiligt. Täter wissen eben, dass sie in der Überzahl wesentlich stärker und gewaltbereiter sind, die Power stimmt einfach und so können - gruppendynamisch gesehen - auch eher Hemmschwellen fallen.

Die letzte große Gruppe der Täter-Opfer-Beziehungen sind Vergewaltigungen, vornehmlich an Mädchen. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass auch häufig Jungen vergewaltigt werden, unglücklicherweise aber das Medieninteresse bei Mädchen höher ist. Bei Vergewaltigungen hat das Opfer zumeist keine Chance, weil es die Gefahr für sich erst zu spät erkennt. Täter gehen dabei überaus geschickt vor und stehen zumeist auch freundschaftlich oder verwandtschaftlich mit ihrem Opfer im Kontakt. Dadurch wächst allerdings die Gefahr des Täters, erkannt und bestraft zu werden, was wiederum häufig zu der Ermordung des Opfers führt. Glücklicherweise werden gerade in diesem Bereich viele der Täter gefasst.

Abschließend möchte ich mit Ihnen einen letzten Blick auf mögliche – auch präventive -Verhaltensweisen für die Opfer werfen. Oft wird der Ratschlag gegeben, sich zur Wehr zu setzen und ebenso oft hört man, dass gerade dies beim Täter ein höheres Gewaltpotenzial ausgelöst hat. Dann wiederum hört man von deeskalierenden Maßnahmen, also beruhigend auf den Täter einwirken, die Situation entspannen, psychischen Einfluss nehmen. Auch dies scheint nicht immer der richtige Weg zu sein, da Täter nicht immer den IQ eines Backsteins besitzen und eben auch mitbekommen, ob und wie sie gelenkt werden.

Es gibt sie real also nicht, die „Tipps und Tricks“ für den Ernstfall, obwohl man gerade im Internet auf vielen Homepages darüber stolpert. Ist die Gegenwehr eines Opfers in dem einen Fall vielleicht hilfreich, könnte sie in einem anderen Fall ein Todesurteil sein. Niemand kann vorhersagen, wie sich eine Situation entwickelt, niemand weiß, worauf er sich einlässt. So könnte es beispielsweise sein, dass man sich gegen einen Täter erfolgreich wehrt und diesen zu Boden bringt, sich dann allerdings das Blatt wendet, weil der Täter plötzlich eine Waffe in der Hand hat. Überhaupt sind Waffen immer brandgefährlich und werden häufig unterschätzt. Außerdem könnte eine Situation leicht eskalieren, wenn im Hintergrund weitere Täter lauern.

Insgesamt sollten (nicht nur bei Frauen und Kindern) präventive Maßnahmen im Vordergrund stehen: nie alleine durch fremde und verlassene Gegenden gehen oder fahren. Sie müssen im Zweifelsfall immer wissen, wo Sie sich befinden und wo Sie schnell mit Hilfe rechnen können. Beim Kontakt mit fremden Leuten immer kritisch und distanziert, aber nie unfreundlich sein. Vertrauen ist gut, Selbstkontrolle immer besser und gesünder – halten sie sich daran! Schulen und trainieren Sie Ihren Körper – es muss nicht unbedingt Kampfsport sein. Wenn Sie Ihrem Peiniger z. B. entfliehen wollen, müssen Sie unbedingt konditionell stärker sein – bedeutet: ausdauernder, schneller. Ansonsten holt Sie der Täter ein und dann „gnade Ihnen Gott!“ Natürlich hat man in Raufereien bzw. Boxereien mit nur einem Täter immer Vorteile, wenn man einen Kampfsport oder eine Kampfkunst trainiert – eine Garantie für Erfolg ist dies jedoch nicht.

Ich hoffe, Sie mit dieser Betrachtung nicht allzu sehr gelangweilt zu haben. Hoffentlich habe ich Sie aber zum Nachdenken gebracht, provoziert und vielleicht auch geärgert. Sicherlich habe ich einige Dinge übertrieben – dann aber auch nur aus dem Grund, um den faktischen Wert imaginär zu unterstreichen!

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