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Die Präsenz des Kämpfens in unserer Gesellschaft ist allgegenwärtig. Sie ist der evolutionäre Rest einer Zeit, in der ein Mensch Jäger und Gejagter zugleich war und das Überleben der Gemeinschaft vor dem Überleben des Einzelnen stand. Der Gegner des Menschen war einzig die Natur mit ihren Urgewalten, ihren Geschöpfen und ihren unbarmherzigen Gesetzen.

Heutzutage ist der Mensch – zumindest in den reichen Nationen - innerhalb der Natur Konsument, Zerstörer und Ausbeuter, innerhalb der Gesellschaft mündiger Bürger mit der Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, dem Wunsch nach einem glücklichen und ausgewogenen Leben aber auch mit dem Streben nach Ruhm, Macht und Geld. Der frühere Kampf um das Überleben der „Sippe“ ist dem Kampf um persönliche Belange gewichen. Selbstvertrauen, Durchsetzungsvermögen, Stärke und Unbeugsamkeit sind zu Eigenschaften geworden, die heutzutage mit dem Wort „Kampf“ in Verbindung gebracht werden.

Häufig benutzte Redewendungen, wie „um sein Recht kämpfen“, „der tägliche Überlebenskampf“, „der Kampf der Gelehrten“ oder „der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit“ zeigen, dass kognitive, psychische und soziale Aspekte des Kampfes fest in die Kultur unserer Gesellschaft integriert sind. Auch Jugendliche haben in ihrer Lebenswelt täglich mit kleinen und großen Sorgen zu kämpfen: in der Schule gilt es, sich gegenüber anderen Konkurrenten (mit den viel zitierten „Ellenbogen“) zu behaupten und/oder durchzusetzen, in der Freizeit wird über den „thrill“ um Anerkennung gekämpft, in der Familie werden Machtkämpfe ausgetragen und innerlich ist es ein stetiger Kampf gegen eine unerklärliche Unruhe und Unzufriedenheit, gegen den eigenen Körper, letztlich gegen sich selbst.

Eine daher für Jugendliche nahe liegende Möglichkeit, die täglichen Kämpfe psychisch und physisch aufzuarbeiten und die aufgestauten Energien zu kanalisieren, bildet der Sport. Er wagt den schwierigen Spagat zweier unterschiedlicher Charaktere: einerseits entfesselt er den Reiz der Herausforderung, animiert – ja, nötigt geradezu zum „sich ausprobieren“, entwickelt Ehrgeiz und Zielstrebigkeit, mobilisiert sämtliche Kräfte und Sinne der Kontrahenten und führt sie letztlich imaginär in die Arena der unbändigen, natürlichen jugendlichen Energien. Andererseits setzt der Sport durch ein Reglement einen festen Rahmen zu Gunsten der physischen und psychischen Sicherheit der Kontrahenten, beschneidet damit Übermut und Leichtsinn auf ein notwendiges Maß, fokussiert den Kampf temporal, räumlich und individuell auf das hier und jetzt und generiert verbindliche Normen und Werte, wie z.B. Fairness und Achtung vor dem Gegner.

Gerade diese Werte erreichen junge Sportler bewusst und unbewusst, lenken und prägen ihn und sind jedem Reglement hierarchisch übergeordnet. Jeder Sport, ob es sich um Mannschafts- oder Individualsportarten handelt, weiß über die Wichtigkeit dieser Werte. Rituale, wie z.B. das „Shakehands“ am Anfang von Spielen, die Verleihung eines „Fair-Play-Pokals“ oder Siegerehrungen, erheben die Bedeutsamkeit dieser sportlichen Werte auf eine ehrbare, moralisch-ethische und zeremonielle Ebene. Gleichzeitig transportieren Rituale die betreffenden Werte dadurch, dass sie von jedem Sportler erlebt und akzeptiert werden können, in den unmittelbaren Lebensraum eines jeden Sportlers. Dadurch werden sie als wesentliche Bedingungen des alltäglichen Lebens erfahrbar.

In keinen anderen Individualsportarten sind Rituale selbst in den kleinsten Trainingseinheiten so präsent, wie im Kampfsport. Er steht in geschichtlicher Hinsicht für die Zivilisierung des Kampfes, in geistiger Hinsicht für die Bewahrung von Traditionen und Ritualen, in sportlicher Hinsicht für die Ausbildung von mentalen, physischen und psychischen Eigenschaften und in menschlicher Hinsicht für die Entwicklung, Stabilisierung und Festigung der Persönlichkeit eines jeden Sportlers.

Im Folgenden setze ich mich mit der Frage auseinander, unter welchen Umständen Rituale im Ju-Jutsu speziell für Jungen in der Vor-Pubertät eine Orientierungshilfe bieten können. Dabei versuche ich mich der Beantwortung dieser Frage in vier Schritten zu nähern:

  • Zuerst werde ich über das Ju-Jutsu informieren, die historischen Hintergründe umreißen und die Ziele und Inhalte des modernen Ju-Jutsu erläutern. Im Anschluss daran gehe ich exemplarisch auf einige Rituale im Ju-Jutsu ein.
  • Im darauf folgenden Schritt definiere ich zunächst den Begriff "Pubertät", um dann explizit auf die charakteristischen Merkmale der Vor-Pubertät einzugehen. Dabei fokussiere ich den Blickwinkel auf die Entwicklung von Jungen.
  • Als vorletzten Punkt erläutere ich den Begriff "Rituale" über eine Definition der Grundschullehrerin Ameli Winkler und stelle das Übergangsritual einer Stammesgesellschaft vor. Daraufhin gehe ich der Frage nach, warum Rituale gerade in der Pubertät einen wichtigen Stellenwert einnehmen.
  • Ein Fazit im Bezug auf die in der Einleitung gestellten Frage bildet den Abschluss des Themas.

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