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„Der Friede beginnt im Streit“, so heißt es auf der Internet-Plattform von „veto-online“. Unter diesem Slogan befindet sich eine Abbildung, auf der eine kleine, schwarze, zwergenhafte Gestalt auf einem Zaun sitzt und auffordert:

Ich bin Streit. Wann kommt denn einer und bricht mich endlich vom Zaun?

VETO-ONLINE unter http://www.veto-online.org - Stand: 22.08.2007

Streit scheint attraktiv zu sein, niemand verschmäht ihn und er ist überall anzutreffen. Jeder ist zeitweilig wild auf ihn und will ihn dann „vom Zaun brechen“, ob jung oder alt, ob groß oder klein, ob zu Hause, im Verein, bei der Arbeit oder in der Schule, ob in der Liebe oder einer gut funktionierenden Freundschaft - selbst in der Politik wird auf höchster Ebene gestritten. Es scheint, dass nicht der Fußball sondern das Streiten Volkssport Nr. 1 ist. Warum aber hat Streiten in der Gesellschaft ein so schlechtes Image?

Um auf diese Frage mögliche Antworten zu finden, möchte ich zunächst den Fokus auf die kleinste Zelle unserer Gesellschaft, die Familie, werfen. Welche Signifikanz haben Konflikte hier, wie sehen Konfliktlösungen aus und welchen Einfluss und Lernwert haben sie auf die Streitbeteiligten? Eigentlich kennen wir die Antworten auf diese Fragen nur zu gut: Oft werden streitende Kinder oder Jugendliche von ihren Eltern nicht ernst genommen, so dass Konflikte unbegleitet bleiben und die Möglichkeit bekommen, auszuufern. Ebenfalls neigen Eltern häufig dazu, den Streit ihrer Kinder zu verharmlosen und fordern die Streithähne dazu auf, sich „des lieben Frieden willens“ zu vertragen. Eine drastische aber ebenso häufig angewendete Strategie von Eltern ist es, Streitigkeiten unter ihren Kindern durch Machtausübung zu verbieten: „Hört endlich auf zu streiten“ – wer hat diesen Satz nicht selbst schon einmal in seiner Kindheit oder Jugend gehört? Die geschilderten Konfliktlösungen haben alle eine Gemeinsamkeit: Sie produzieren Verlierer (in Form von: niemand hat einen Nutzen davon), da sie weder die Interessen aller Konfliktbeteiligten, noch deren Bedürfnisse oder Wünsche berücksichtigen. Ferner wird der Konflikt damit nur aufgeschoben und bekommt die Aussicht, an anderer Stelle erneut vom Zaun zu brechen, um dann evtl. sogar zu eskalieren.

Schauen wir auf die Eltern und ihre Konfliktkultur: Sie stehen oft selbst im Fokus der Kritik, da sie sich in Konfrontationen mit ihren Partnern häufig unangemessener Mittel bedienen (sich anschreien, Schuldzuweisungen geben, beleidigen, Gewaltanwendung, etc.). Auch die z. T. bedrückende Stimmung nach einem derartigen Konflikt ist eher das Indiz für eine unkonstruktive Kommunikation. Ein Paradoxon: Mit dem Streitverbot für ihre Kinder möchten die Eltern den häuslichen Frieden wahren, sind selbst aber Urheber von Unfrieden und schlechter Stimmung. Wie sollen Kinder und Jugendliche also eine Idee über das richtige Streiten entwickeln können, wenn sie lernen, dass Streit nur mit Machtausübung, Schuldzuweisungen und Schuldgefühlen zu tun hat? Wenn sich Eltern nach einem Streit nicht mehr in die Augen schauen können und zwischen ihnen ein zeitweiliger Kommunikationsstopp herrscht, kann Streit von Kindern und Jugendlichen auch nur als Sackgasse erlebt werden.

In anderen Bereichen unserer Gesellschaft erleben wir eine Streitkultur im Spannungsverhältnis zwischen Anspruch und Kalkül. Besonders gut ist dies in der Politik zu beobachten, der am ehesten eine kultivierte und konsensorientierte Konfliktkultur zugetraut werden müsste. In dieser Branche sehen sich Streitende häufig mit Schuldfragen und Schuldzuweisungen konfrontiert. Die Konfliktparteien haben ein tatsächliches Interesse an Schuldzuweisungen und benutzen diese als Machtinstrument, um das Stimmungsbarometer ihrer Wähler zu beeinflussen. Vordergründig steht der Anspruch, Konflikte demokratisch auszutragen, im Hintergrund wird nüchtern und präzise kalkuliert und taktiert. Einige Phasen politischer Konfliktkultur erinnern stark an einen Ehestreit: eine unkonstruktive Kommunikation beseitigt den häuslichen Frieden und führt z. T. zu Blockaden oder endet in Sackgassen. Im Fachjargon wird diese kommunikative Inkompetenz kompetent übersetzt: „Die zähen Verhandlungen haben bisher noch zu keinen konkreten Ergebnissen geführt“. Das Tragische an dieser Streitkultur ist: viele Beobachter (Bürger) verlieren den Glauben an die Menschen hinter der Politik. Sie bekommen mit, dass das Beharren auf Standpunkte unkonstruktiv ist und häufig in Sackgassen endet. Auch hier werden offensichtlich Verlierer produziert, die sich frustriert, desillusioniert und perspektivlos allein gelassen fühlen.

Wenn wir uns die oben angeführten Beispiele als erkennbaren Teil unserer Streitkultur bewusst machen, wundert es nicht, dass Streit einen schlechten Leumund hat: Er hinterlässt eine schlecht Stimmung, löst keine Probleme, errichtet Mauern und produziert Verlierer. Ein Streit wird also mit einem schlechten Gefühl, mit einer mäßigen Erfolgsaussicht und mit unübersehbaren Folgen für Leib und Seele assoziiert. Es wird deutlich, dass ein unkonstruktiver Umgang mit Streit zu erheblichen persönlichen Problemen führen kann, aber auch Aus- und Signalwirkungen auf mögliche Beobachter (wie z. B. Kinder und Jugendliche) hat. Wenn dennoch so viele Menschen streiten, muss es aber auch etwas Positives, vielleicht sogar Wichtiges am Streit geben.

In der Tat zeigen die oben aufgeführten Beispiele nur eine Seite des Streitens, gewissermaßen den „Ist-Zustand“. Ein konstruktives Streiten ohne Machtausübung, Schuldzuweisungen und beidseitigen Verletzungen ist ebenso möglich, bedarf aber Regeln und Methoden. Man muss erst recht keine Kampfsportler sein, um sich in Konflikten mit anderen behaupten zu können, wie uns heutzutage viele „Experten der Sicherheit“ gerne einreden wollen.

Quintessenz

Die Botschaft ist, die Konflikte selbst als eine Chance zur positiven Veränderung einer belastenden Situation zu begreifen und anzugehen. Diese Form des konstruktiven Streitens wäre der „Soll-Zustand“ und lässt sich, wie das „ABC“ oder das „Einmaleins“, erlernen. Um diesen Lernprozessen allerdings positiv gegenüber zu stehen, muss zuallererst die bisherige persönliche Einstellung zum Streiten kultiviert werden. Es ist schwierig etwas lernen oder üben zu wollen, von dem man innerlich nicht überzeugt ist, annimmt, dass es schlecht für einen sei oder denkt, man würde etwas Anstößiges tun.

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