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Samstag: Kids-Club 2.0  

Konflikte gehören grundsätzlich zu dem persönlichen und individuellen Gegenstand der Betroffenen selbst. Da jeder Konflikt einzigartig ist, lassen sich Konflikte aus Sicht der Konflikttheoretiker auch nicht generalisieren. Aus diesem Grund ist auch das individuelle Verhalten der einzelnen Konfliktpartner situationsbedingt einmalig. Im vorherigen Abschnitt bin ich bereits auf die Entwicklung vom Konfliktverhalten zur Konfliktgewohnheit eingegangen. Im Folgenden möchte ich als Ergänzung dazu auf einige Grundformen des Konfliktverhaltens eingehen, bei denen die Gewalt einerseits und die Konfliktvermeidung andererseits die jeweiligen Extreme bilden. Dabei unterscheidet z. B. Altmann (vgl. Altmann 1999, S. 35) im Bezug auf das Konfliktverhalten vier Grundformen:

  • Die individualistische Position: Sie repräsentiert die Befriedigung eigener Interessen
  • Die soziale Position: Sie dient der Harmonie und dem Ausgleich unter den Konfliktpartnern
  • Die kompetitive Position: Bei ihr steht der Wettbewerb und die Konkurrenz im Vordergrund
  • Die kooperative Position: Sie dient dem Konsens und der Progressivität des Konfliktes

Des Weiteren unterscheidet Augsburger zwischen Vermeidung, Unterdrückung und Verlagerung als ein eher passives und destruktives Konfliktverhalten, und Management, Lösung und Nutzbarmachung als ein eher engagiertes und konstruktives Konfliktverhalten (vgl. Augsburger 1992, S. 236). Im täglichen Umgang mit Konflikten - z. B. in der Schule - sind Verhaltensweisen, wie Konfliktvermeidung, Konfliktunterdrückung und Konfliktverlagerung, genauso häufig zu beobachten, wie die gewalttätigere Form der Austragung von Konflikten. Konsensorientiertes und kooperatives Konfliktverhalten ist jedoch - auch unter Schülern - als Ausnahme zu betrachten.

Kulturell bedingte Normen und Werte können ebenfalls bei Konflikten eine große Rolle spielen, besonders zwischen heterogenen Gruppen, wie sie gerade in Schulen häufig vorkommen. In anderen Kulturen haben Wettbewerbs- und Konkurrenzgedanken sowie das Streben nach Macht (Führungspositionen) einen anderen Stellenwert und können mit dem Wunsch nach Austausch und Zusammenarbeit anderer Gruppen konkurrieren. Hierbei spielen die drei Faktoren pBedürfnisse/Interessenp, pRechtep und pMachtp> eine erhebliche Rolle, da von ihrer unterschiedlichen Ausprägung das Konfliktverhalten der Akteure abhängt. Der Raum für die Bedürfnisse und Interessen schmälert sich, wenn im Verhältnis dazu der Faktor Machtp an Raum und Einfluss gewinnt, parallel dazu ändert sich die Struktur der Konflikte: sie driften ins Destruktive. Für eine konstruktive Konfliktkultur spricht hingegen die Beachtung der Interessen und Bedürfnisse aller Konfliktparteien (Vgl. Augsburger 1992, S.58). Dies betrifft insbesondere auch das Konfliktverhalten und die Konfliktkompetenz von Schülern und Lehrern.

Wie an anderer Stelle schon einmal erwähnt, ist die Vermeidung von Konflikten kein angestrebtes Ziel für ein konstruktives Konfliktverhalten, da die Geltendmachung der eigenen Standpunkte verhindert wird. Der Konflikt wird dadurch nicht beseitigt und bekommt die Gelegenheit, an gegebener Stelle wieder auszubrechen. Ebenso kann eine mit Gewalt und Zwängen durchgeführte Konfliktaustragung keinen Konsens bewirken, da nur der Stärkere (Mächtigere) gewinnen kann. Nachgeben als Konfliktverhalten bedeutet, den eigenen Standpunkt aufzugeben. Das Resultat: Im Konfliktergebnis können sich nicht die Gedanken beider Konfliktpartner wiederfinden - auch hier werden Verlierer erzeugt. Eine bessere Möglichkeit stellt der häufig überschätzte Kompromiss dar, der allerdings lediglich Patt-Situationen produziert, da sich die Konfliktpartner mit ihren Bedürfnissen und Interessen nur gegenseitig einschränken. Die Wünsche und Bedürfnisse anderer Konfliktpartner anzuhören und zu berücksichtigen, ohne sich dabei selbst zu vernachlässigen, ist das zu favorisierende Konfliktverhalten. Konflikte werden konstruktiv und kooperativ angegangen, konsensorientierte Lösungen angestrebt und beide Konfliktparteien haben die Möglichkeit, als Gewinner die Arena zu verlassen (Vgl. Herzog 2007, S. 17).

Für die Auslotung und Bearbeitung von Konflikten ist eine Einteilung in Konfliktformen und Konfliktverhalten durchaus sinnvoll. Einen eher groben Orientierungsrahmen bieten dabei die oben vorgestellten vier Grundpositionen von Altmann, während Augsburger weitläufiger das Verhalten in Konfliktsituationen beschreibt. Ebenfalls zeigt er auf, welchen Einfluss die verschiedenen Schichten und Dimensionen auf die Konfliktbeteiligten ausüben. Herzog verdeutlicht abschließend die verschiedenen Austragungsmöglichkeiten von Konflikten und deren Erfolgsaussichten. Im Kontext dieser theoretischen Betrachtungsweisen fallen Konsequenzen (auch für die Schulpraxis) nicht schwer: Die Motivation, einen Konflikt anzugehen und auszutragen, ist unmittelbar von den Bedürfnissen der Konfliktpartner nach Sicherheit, Unversehrtheit und Gewinnchance abhängig. Warum sollte also z. B. ein Schüler einen Konflikt mit einem Lehrer austragen, wenn die Wahrscheinlichkeit einer „win-win-Lösung“ durch die bestehenden Machtverhältnisse nahezu ausgeschlossen ist und ihm evtl. sogar Repressalien drohen?

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