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Konflikte können, je nach wissenschaftlicher Disziplin, aus unterschiedlichen Blinkwinkeln betrachtet und nach unterschiedlichen Kriterien bewertet werden. Für das Verständnis dieses Artikels ist es allerdings sinnvoller, Konflikte nach ihrem Veranstaltungsort zu sortieren und unter intrapersonalen und interpersonalen Konflikten zu unterschieden. Ersterer bezieht sich auf den Disput mit sich selbst, also einem inneren oder seelischen Konflikt, Letzterer bezieht sich auf einen Konflikt mit anderen Menschen, also einem zwischenmenschlichen Konflikt (vgl. Glasl 1999, Teil I). Übertragen auf die Schule können interpersonale Konflikte zwischen zwei Personen (z.B. zwei Schülern), zwischen einer Person und einer Partei (z. B. zwischen einem Lehrer und seiner Klasse), sowie zwischen verschiedenen Parteien (z.B. zwischen Personengruppen innerhalb der Klasse) auftreten. In Divergenz dazu findet der intrapersonale Konflikt nur innerhalb einer Person, z. B. als Entscheidungskonflikt bei der Wahl einer zweiten Fremdsprache statt.

Beide Konfliktformen können durchaus zeitgleich stattfinden, wenn z. B. erhebliche innere Anspannungen bei einem Schüler zu Auseinandersetzungen mit anderen Schülern führen. Da an Schulen verschiedene Personengruppen mit- und untereinander agieren (z. B. Schulleitung, Sekretariat, Hausmeister, Lehrer, Schüler, usw.) und die Schüler hierbei die unterste Stufe der Hierarchie bilden, sind sie entsprechend häufig Adressaten von Frustration und Aggression anderer Personengruppen. Das bedeutet, dass die intrapersonalen Konflikte z. B. des Hausmeisters, der Sekretärin oder eines Lehrers (z. B. wegen Konflikten mit anderen Personen) häufig zu interpersonalen Konflikten mit einzelnen Schülern führen, da diese aufgrund des hierarchischen Status’ und der kaum zu erwartenden Gegenwehr ein willkommenes Ventil darstellen. Diese wiederum unterliegen nun ihrerseits einer hohen inneren Anspannung (intrapersonaler Konflikt) und suchen ebenfalls ein passendes Ventil. In diesem Kontext könnte man auch von der Vererbung von Konflikten sprechen.

Im Folgenden möchte ich auf die fünf verschiedenen Konfliktarten (vgl. Schunk 2005, S. 12 f.) eingehen, die in der Konflikttheorie, besonders im Hinblick auf die Schule, unterschieden werden:

Wertekonflikte

Diese Form der Konflikte findet sich häufig im Sekundarbereich I wieder. Sie entstehen häufig durch kulturell und sozial differente Sozialisationen oder unterschiedliche Einstellungen und Auffassungen verschiedener Personen.

Strukturkonflikte

Bei diesen Konflikten geht es um ungleich verteilte Machtverhältnisse. Strukturkonflikte können sich sowohl unter Schülern, eher aber zwischen Schüler und Lehrer abspielen.

Sachverhaltskonflikte

Falsche oder unzureichende Informationen und unterschiedliche Interpretationen von Sachverhalten oder Situationen sind die Hauptursachen dieser Konflikte. Beispiel für einen Sachverhaltskonflikt ist das Ausleihen von Gegenständen: ein Schüler leiht sich etwas von einem anderen Schüler aus, welcher dies jedoch als Diebstahl empfindet. Deutlich wird die unterschiedliche Interpretation des Sachverhaltes, außerdem liegen vermutlich unterschiedliche Informationen vor. Dies ist eine klassische Situation in Schulen, bei der die Schaffung eines einheitlichen Informationsstandes einen derartigen Konflikt schnell entschärfen kann.

Interessenskonflikte

Aus Konkurrenzsituationen entstehende Konflikte sind i. d. R. Interessenskonflikte. Im Schulalltag sind diese häufig wiederzufinden, wobei sich z. B. zwei Schüler um die bessere Note in einem Leistungsnachweis, um das Belegen einer Tischtennisplatte oder um das Putzen der Tafel streiten. Bei diesen Konflikten sind grundsätzlich die dahinterliegenden Bedürfnisse und Motivationen entscheidende Größen für den Ausgang des Streites.

Beziehungskonflikte

Häufig lassen auch die vielfältigen zwischenmenschlichen Beziehungen im Schulalltag Konflikte entstehen. Diese Beziehungskonflikte resultieren zumeist aus wiederholten, unangenehmen Erfahrungen mit bestimmten Personen. Auslöser dieser Konflikte können aber auch starke, individuelle Emotionen sein. Auswirkung ist häufig eine komplette Einstellung der Kommunikation, die betreffenden Personen finden keine Möglichkeit, ihren Konflikt aus eigener Kraft zu bewältigen.

Die erwähnten Konfliktformen stehen nicht für sich allein, sondern können auch untereinander variieren. Dabei können sie sowohl psychisch als auch physisch sowie innerhalb und außerhalb der Schulzeit und des Schulgeländes ausgetragen werden. Psychisch ausgetragene Konflikte äußern sich zumeist durch die soziale Ausgrenzung einzelner Schüler oder bestimmter Gruppen, sowie durch Beleidigungen und dem Mobben von Schülern, welches gerade in der letzten Zeit eine traurige Popularität erreichte. Physisch ausgetragene Konflikte sind i. d. R. Sachbeschädigungen, Rangeleien oder Verletzungen, die sich Schüler eher ungewollt untereinander zufügen. Eine vorsätzliche Körperverletzung gehört zu den schwersten und zugleich seltenen Fällen.

An dieser Stelle möchte ich etwas Statistik einfügen, die den Umfang des Konfliktpotentials an Schulen verdeutlichen soll. Die hier zitierte Studie ist die erste bundesweite Evaluation von Schulmediationsprojekten (Streitschlichtung). Sie wurde von dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und über einen Zeitraum von zwei Jahren (Aug. 2003 – Sept. 2005) und mit der Beteiligung von drei sozialwissenschaftlichen Instituten durchgeführt: Institut des Rauhen Hauses für Soziale Praxis in Hamburg, das Institut für Sozialpädagogische Forschung in Mainz und Camino – Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung im sozialen Bereich in Berlin (vgl. Behn u. a. 2006, S. 14).

Befragt wurden 1455 Schulen aller Schultypen in allen Bundesländern, Rückmeldungen gab es von 574 Schulen, dass sind annähernd 40% (vgl. Behn u. a. 2006, S. 19). Leitfadengestützte Interviews wurden an 50 Schulen durchgeführt. Erfragt wurde u. a. das Vorkommen von Konfliktformen. „Dabei wird deutlich, dass einige Konfliktformen bei einem großen Teil der befragten Schulen mehrmals pro Woche festegestellt werden können. Dazu zählen u. a. Störungen im Unterricht (hier geben 89% der Schulen an, dieses Problem mehrmals pro Woche zu haben), Beschimpfungen unter Schüler/innen (90%), hinter dem Rücken reden unter Schüler/innen (77%), wiederholtes Hänseln und Ausgrenzen von Schüler/innen (75%) sowie Rangeleien unter Schüler/innen (73%). Rund die Hälfte aller Schulen muss mehrfach pro Woche zu schulischen Disziplinarmaßnahmen wie Ermahnung und Tadel greifen. Auch schwerwiegendere Konfliktformen wie die Erniedrigung von Schüler/innen (31%), körperliche Gewalt unter Schüler/innen (29%) und Bedrohung durch Schüler/innen (16%) gehören bei einem Teil der Schulen zum Alltagsleben.“ (vgl. Behn u. a. 2006, S. 85). Anzumerken ist, dass bei 16% aller befragten Schulen Konflikte mehrmals in der Woche offen im Kollegium angesprochen werden, 31% würden Konflikte jeden Monat thematisieren (vgl. ebd.).

Zusätzliche Beachtung sollte bei der Betrachtung von Konfliktsituationen unbedingt die hierarchische Struktur an Schulen finden. Wie in den Strukturkonflikten oben schon erwähnt wurde, spielt die Hierarchie bei Konflikten unter Schülern eine eher untergeordnete Rolle, bei der zumeist aufgrund der Schulorganisation kein Machtmissbrauch zu befürchten ist. Anders sieht dies bei Konflikten zwischen Schülern und Lehrern aus. Lehrer haben im Schulsystem eine höhere Position und damit ein höheres Machtpotential.

Problematisch ist diese Machtposition auch im Hinblick auf mögliche Konfliktlösungsmethoden, wie z. B. die Installation einer Peer-Mediation (Schülerstreitschlichtung) zu sehen, wenn diese auch noch maßgeblich von einer Lehrkraft initiiert wird. Hier scheint sich ein Widerspruch zu ergeben: Auf der einen Seite sind Lehrer, die eine bestimmte Machtposition im Schulsystem einnehmen und als Urheber vieler Konflikte und Streitigkeiten mit Schülern zu identifizieren sind. Andererseits sollen sie die Position des neutralen Streitschlichters einnehmen.

Kritisch anmerken möchte ich die eher stiefmütterliche Auseinandersetzung mit dieser Widersprüchlichkeit von Seiten des überwiegenden Teils der gängigen Literatur. Hier fehlt m. E. einerseits der kritische Blickwinkel auf die Machtposition der Lehrer und ihrer mehr als angespannten Lehr- und Schulsituation, andererseits die Auseinandersetzung mit der Einbindung von Schulsozialarbeit als neutralere Institution für Konfliktbewältigungsstrategien.

 

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