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Nach einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag der Hamburger Zeitschrift „Eltern for family“ durchgeführt hat, hat fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler Angst vor Gewalt in der Schule. ‚Nur wenn man gute Freunde hat, passiert einem nichts’, glauben 49 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Fast ein Drittel der Grundschüler und Grundschülerinnen fürchtet sich manchmal auf dem Weg von der Schule nach Hause vor Mitschülern und Mitschülerinnen. 37 Prozent der Grundschüler und Grundschülerinnen und 19 Prozent aller Befragten sind bereits von anderen Schülern und Schülerinnen geschlagen oder bedroht worden. Wer von uns fragt sich da nicht: Wie rücksichtslos ist oft der alltägliche Umgang miteinander? Was gilt der oder die andere, die schwächer sind oder jünger oder nicht ganz so cool oder nicht ganz so fit?

Renate Schmidt als Vorwort in: Behn u. a. 2006, S. 9

Die Bewältigung von Konflikten ist für Kinder und Jugendliche häufig mit Aggressionen, fehlender Toleranz und einem unkonstruktiven Verhalten verbunden. Besonders bei den reichhaltigen Konfliktfeldern der Schule sind derartige Verhaltensmuster - wie oben erwähnt - ständig zu beobachten. Allein die Schulpflicht mit ihrer Unausweichlichkeit bildet für viele Kinder und Jugendliche häufig eine Realität, die ein passendes Ventil benötigt. So hat die Zusammensetzung der Klassengemeinschaften, die als schulischer Verwaltungsakt eher zufällig getroffen wird, für die betreffenden Schüler eine große Bedeutung. Sie müssen künftig in dieser Zwangsgemeinschaft über einen sehr langen Zeitraum mit anderen Schülern zurechtkommen, lernen und leben. Hinzu kommt, dass diese Lerngruppen zunehmend heterogener werden: Schüler aus unterschiedlichen Schichtzugehörigkeiten und einer unterschiedlichen kulturellen und familiären Herkunft müssen sich miteinander arrangieren.

Beeinflussende Faktoren für Konflikte sind demnach nicht nur die ungleichen Erwartungen, Anliegen, Sympathien und Neigungen der Schüler untereinander. Es ist ebenso der Umgang eines jeden Schülers mit seinem Kontingent an Konfliktlösungsmöglichkeiten, welches Konflikte verursachen, verschärfen oder eskalieren lassen kann.

Viele Kinder und Jugendliche reagieren heutzutage schon bei kleineren Eskapaden sensibel, sind schnell reizbar und oft auch gewalttätig (vgl. Walker 2001; Olweus 1996; Kasper 1998). Eine andere Form des Umgangs mit Konflikten ist, ihnen aus dem Weg zu gehen, den Belangen anderer nachzugeben und die eigenen Wünsche und Absichten zurückzustellen. Becker und Döring formulieren in diesem Zusammenhang die allgemeine Tendenz, dass in Schulen Konflikte eher vermieden bzw. abgeschwächt werden (Vgl. Becker 1983, S. 49-68 und Döring 1983, S. 7-28). Auch die Ausgrenzung einzelner Schüler oder kleinerer Cliquen und die Verbreitung von böswilligen Gerüchten über andere Schüler, kann eine Form der Bewältigung von Konflikten darstellen, welche sich verschärfend oder gar eskalierend auf eine Auseinandersetzung auswirken kann (Vgl. Walker 2001, S. 9).

Hier einige Beispiele von konflitauslösenden bzw. konflicktverstärkenden Verhaltensweisen unter Schülern:

  • Beleidigungen, z. B. wegen Aussehen, Kleidung, Herkunft oder Verhalten (‚Krass bist du fett’, ‚ Du stinkst aus’m Maul!’, ‚Du armes Schwein – kannst du dir keine besseren Marken leisten?’, ‚Du dumme Ossi’, ‚Schleimer’, ‚Streber’, ‚Opfer’); Beleidigung durch Tier- oder Furzgeräusche
  • Beleidigungen im Sexualbereich (‚Du Schwuchtel’, ‚Dreckiges Fotzenkind’, ‚Du läufst mit gespreizten Beinen durch die Welt’)
  • Beleidigungen der Familie (‚Fick dich, du Hurensohn’, ‚Gib die 10 Cent deiner Mutter für gestern Nacht’)
  • Sexuelle Belästigungen, z. B. durch Anfassen, obszöne Bewegungen oder Brief, Jungen kommentieren öffentlich die körperliche Entwicklung eines Mädchens
  • Übergriffe auf persönlichen Sachen: wegnehmen, verstecken, andere bewerfen, persönliche Gegenstände wie Rucksäcke absichtlich beschmutzen
  • Spott, sich über andere lustig machen, andere auslachen, z. B. wenn sie im Unterricht einen Fehler machen oder mit Akzent sprechen
  • Verweigerungen, z.B. nicht mit anderen in der Kleingruppe oder bei der Partnerarbeit zusammenzuarbeiten oder neben ihnen zu sitzen
  • Überschreitungen persönlicher Grenzen: jemanden verfolgen, sehr nah an jemanden herankommen>
  • Üble Nachrede: bewusst falsche Gerüchte über einen Mitschülerin verbreiten

Die Konflikte unter Schülern sind eng mit dem Entwicklungsstand und der Sozialisation, sowie mit dem Alter und dem Geschlecht verbunden. Jungen neigen eher zu einer offeneren und z. T. auch physischen Konfliktaustragung, Mädchen eher zu zurückhaltenden und psychischen Handlungen (vgl. Walker 2001, S. 9; Simsa 2001, S. 8). An dieser Stelle möchte ich kurz auf die Gefahr der Entwicklung von Geschlechtsstereotypen hinweisen, worauf ich im Kapitel "Sozialisation und Konflikte" noch näher eingehen werde.

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