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Erwachsene leben in der heutigen Zeit häufig in ihrer kleinen, überschaubaren Welt, in der sie selbst Herr über ihr Leben sind und die Regeln für sich und andere Beteiligte (Ehepartner, Kinder) aufstellen. Dabei fehlt es ihnen leider oft an Reflexionsmöglichkeiten, so dass ihnen nicht bewusst ist, wann und wie oft sie selbst Regelverstöße produzieren und damit den häuslichen Frieden gefährden. Sie gehen zu unkritisch mit sich um, erwarten allerdings - vor allem von ihren Kindern - eine respektvolle und friedfertige Auseinandersetzung innerhalb der Familie.

Meiner Erfahrung nach ist Eltern dabei überhaupt nicht bewusst, wie sehr ihre Kinder unter ihnen und den Begleitumständen leiden. Viele Eltern verlernen zunehmend die empathische Fähigkeit, sich in den Alltag ihrer Kinder hineinzuversetzen, um überhaupt eine Idee davon zu bekommen, welchen Stressfaktoren Kinder täglich in den Familien aber auch in Schulen ausgesetzt sind.

Gerade aus den Schulen transportieren Kinder ein hohes Maß an Konfliktpotential in die Familien, welches von den Eltern häufig nicht erkannt oder verharmlost wird. Nehmen dann die Problemchen sowohl in der Schule, als auch im Freundeskreis zu und werden zum Problem (z. B. viele Raufereien, zunehmende soziale Isolation, Notenabfall), wird Schadensbegrenzung betrieben. Dies sind häufig jene Situationen, in denen Eltern ihre Kinder in Selbstverteidigungsschulen oder -kurse schicken, damit dort an den von den Eltern ausgemachten Schwachstellen ihrer Kinder - zumeist dem Selbstvertrauen und dem Selbstbewusstsein - gearbeitet wird. Das die dortigen Trainer zumeist weder eine psychologische noch eine pädagogische Vorbildung haben, ist für viele Eltern nicht relevant.

In diesen Fällen werden unbehandelte aber offensichtliche Konflikte verharmlost und auf ihre äußerlichen Auswirkungen sowie den am Streit beteiligten Akteuren reduziert. Leider wird damit weder der auslösende Konflikt bewältigt, noch eine konstruktive Perspektive für Lösungen ähnlicher Konflikte geboten.

In diesem Artikel möchte ich gerade den Erwachsenen einen Einblick in das Leben von Kindern gewähren. Ich möchte verdeutlichen, wie Streit funktioniert, woher sich Kinder und Jugendliche ihre Streitstrategien beschaffen und warum vor allem an Schulen das Konfliktpotential so hoch ist. In diesem Zusammenhang werde ich auch den Begriff der „Konfliktkultur“ mit in die Diskussion bringen. Außerdem möchte ich die Botschaft senden, dass die Lösungen von Problemen in den Problemen selbst liegen und nicht personifiziert werden sollten. Auf jeden Fall ist die Vorbereitung für physische Bewältigungsstrategien zu verurteilen, weil sich diese grundsätzlich gegen Personen aber nicht gegen Probleme wenden.

Der Fokus sollte daher unbedingt auf präventive Möglichkeiten abzielen, wobei vor allem das Verständnis und das Ernstnehmen der Problemlagen von Kindern und Jugendlichen im Vordergrund stehen müssen. Konstruktiv ist eine Konfliktlösung, wenn sie primär (kurativ) das beherrschende Problem löst und sekundär (präventiv) gleichzeitig Handlungsstrategien für weitere, adäquate Problem eröffnet. Mein Name ist Andreas Liebsch, ich möchte Sie mit diesem Artikel ein bisschen in die Welt des Streitens und der Streit- bzw. Konfliktkultur mitnehmen. Dieser Artikel beinhaltet Aspekte meiner Diplomarbeit "Mediation zur Implementierung einer konsensorientierten Konfliktkultur an einer Realschule. Möglichkeiten und Grenzen" und hat durchaus einen wissenschaftlichen Charakter. Es handelt sich also nicht nur um meine persönliche Meinung, sondern um den in der Literatur z. Zt. vorherrschenden Konsens über die Sozialisation von Streit und deren Auswirkungen vor allem auf Kinder und Jugendliche.

Warum ich ein derartiges Thema auf eine Kampfkunstseite positioniere? Einerseits finde ich, gehört das Wissen über das Thema Streit mitten in die Gesellschaft und da ich der Initiator dieser Seite bin, nutze ich einfach meine Möglichkeiten. Andererseits sind unbearbeitete oder nicht ausreichend bearbeitete Konflikte oft Vorläufer physischer Gewalt. Ich selbst habe häufig mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die eine Kampfkunst erlernen wollen, um Konflikten in Schule oder Freundeskreis adäquat zu begegnen. Viele Menschen vertreten die Meinung, dass man mit einem guten Selbstvertrauen oder Selbstwertgefühl Konfliktsituationen entweder vermeiden oder besser gegenüber treten kann. Dabei wird übersehen, dass z. B. Mobbing auf die Eigenschaften von Menschen keine Rücksicht nimmt und sich eben auch gegen psychisch starke Menschen (auch Kampfsportler) wendet. Daher: wer sportliches Kämpfen lernen möchte, sucht sich einen Kampfsport, wer faires Streiten lernen will, sucht sich ein adäquates Angebot, wie z. B. Mediation.

Nun aber genug der langen Vorrede und hinein in den Streit! Dazu wünsche ich Ihnen viel Offenheit, viel Aufnahmevermögen und möglichst viele innovative Inspirationen!

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