Panel

Dienstag: 1. Qualität  
Dienstag: 2. Qualität  
Freitag: 1. Qualität  
Freitag: 2. Qualität  
Samstag: Kids-Club 2.0  

Menü: SV - Realität

Hier finden Sie das Thema übersichtlich angeordnet

Angesichts der unabsehbaren Konsequenzen für Leib und Leben beinhaltet der Ernstfall äußerst bedrohliche "Qualitäten". Sämtliche Vorteile eines Zweikampfes begünstigen zunächst den Täter: er bestimmt Ort, Zeitpunkt, Vorgehen und Angriffstechnik und ist emotional und körperlich auf sein Vorhaben fixiert. In seinen Adern wirkt bereits das Streßhormone Adrenalin. Dies verschafft ihn die nötige Aggressivität, schaltet humanitäre Einflüsse aus und fokussiert seine gesamte Energie auf die geplante Absicht. Ein Täter unterliegt demnach in solchen Situationen keinem rationalen Rechtsempfinden und ist weder moralisch noch ethisch regulierbar. Gedanken über Sinn, Unsinn und Folgen macht sich der Täter in solchen Momenten nicht, Gewissensbisse und Hemmschwellen sind praktisch nicht vorhanden.

Der Verteidiger ist – unabhängig von seiner momentanen Situation (gute Laune, mit Kinofilm beschäftigt, spielend, im Gespräch vertieft, etc.) - gezwungen zu reagieren, wenn er aufgrund der notwendigen Reaktionszeit (Zeitloch) und der eigenen Persönlichkeit (Reife) überhaupt dazu in der Lage ist. Die Situation ist unausweichlich: er muss sich dieser plötzlichen stressigen Gefahr stellen. Bei ihm bewirkt das Adrenalin eher Kniezittern, der Körper fühlt sich kraftlos an, die Situation überfordert ihn.

Angesichts der Stresssituation fällt es dem Verteidiger außerordentlich schwer, rationale und adäquate Entscheidungen zu treffen: er schwankt zwischen Panik, Flucht, Gegenwehr oder sich in sein Schicksal fügen. Flucht macht für den Verteidiger nur Sinn, wenn er konditionelle (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit) Vorteile gegenüber dem Angreifer besitzt. Viele Trainer geben häufig auch Frauen und Kindern den Tipp, den Angreifer zuerst mit einem "mind-drop" (eine Art Schock) abzulenken, um anschließend die Flucht antreten zu können. Dabei wird unterschätzt, dass es sich bei dem Angreifer um eine zumeist besonders gefährliche und rücksichtslose, evtl. sogar psychisch vorbelastete Person handelt. Sie verfolgt eigenständig und intelligent methodische und taktische Ziele und ist z.T. sogar bereit, bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Letztlich steht für den Angreifer viel auf dem Spiel: gerade bei schwerwiegenden Gewalttaten wird er kein Mittel scheuen, um seine Identität zu schützen. Auch aus diesem Grund ist ein derartiger Tipp mit äußerster Vorsicht zu genießen, da er von vornherein die konstitutionelle Gegebenheiten des Täters außer Acht lässt. Außerdem neigen Opfer häufig aus Panik dazu, sich bei der Flucht zu verlaufen bzw. ihren Fluchtweg unkoordiniert anzutreten - dies kann ein verhängnisvoller Fehler sein!

Zusammenfassend ist der Ernstfall bei genauerer Betrachtung wesentlich komplexer, als er auf den ersten Blick erscheint. Eine genaue Betrachtung ist aber sinnvoll, um verhängnisvolle Fehler aufgrund unzureichender Informationen auszuschließen. Außerdem bleibt festzustellen, dass es "die Strategie gegen einen Angreifer" nicht gibt und nie geben wird. So ist es z.B. in einer Situation durchaus sinnvoll den Täter durch Schreie und einer massiven Gegenwehr entgegenzutreten, in einer anderen Situation kann genau diese Strategie versagen und den Täter zu noch mehr Aktivität (vielleicht sogar zum Einsatzt noch brutalerer Mittel und Möglichkeiten) verleiten.

Um einem Vorurteil vorzubeugen: jede Waffe, die man mit sich führt, kann einem auch durch den Täter abgenommen werden, wobei diese unerwartet zur eigenen Gefahr wird. Dies gilt selbstverständlich (und gerade) auch für Messer in ungeübten Händen. Leider werden Täter häufig als unintelligente Nichtskönner angesehen, gegen die man sich leicht zur Wehr setzen kann. Von derartigen Bewertungsmodellen ist dringend abzuraten, jeder Täter ist grunsätzlich eine Gefahr und sollte als solche erkannt und eingestuft werden. Daher gilt immer der Leitsatz: nur Waffen bei sich tragen, die a) sofort einsetzbar sind und b) deren Gebrauch man wirklich gut beherrscht. Die meisten Waffen scheitern allerdings schon an ihrer Einsetzbarkeit.

Mitgliedsvertrag herunterladen

Einfach online ausfüllen, ausdrucken, unterschreiben, zum nächsten Training mitbringen und sofort mittrainieren!

Anmeldung zum Anfängerkurs

×