Panel

Dienstag: 1. Qualität  
Dienstag: 2. Qualität  
Freitag: 1. Qualität  
Freitag: 2. Qualität  
Samstag: In Planung  

„Da lernt man doch Angriffstechniken…“ war ein Beitrag des Schulleiters einer Neustädter Sonderschule in einer Diskussion, in der es um die Installation eines Projektes im Bereich Gewaltprävention & Kampfsport an dessen Schule ging. Dahinter könnte die oftmals geäußerte Befürchtung stecken, die Schüler würden mit den gelernten Techniken - praktisch schon nach den ersten Trainingseinheiten - Macht ausüben, an Aggressivität zunehmen und/oder Schlägereien gegenüber offener werden. Eine sehr einseitige und pessimistische Sichtweise - leider keinesfalls jedoch Einzelmeinung. Der Schulleiter unterlag offensichtlich einem der größten Vorurteile, die ich komischer Weise am häufigsten bei Lehrern angetroffen habe, obwohl es keinen großen Aufwand darstellt, an die gewünschten Informationen zu kommen.

Beispielhaft möchte ich an dieser Stelle den viel beachteten Vortrag von Prof. Dr. Gunter A. Pilz anlässlich des bundesoffenen Workshops „Judo - eine Chance in der Gewaltprävention?“ vom 04. - 06. Mai 2001 in Bad Wildungen erwähnen.* In diesem Vortrag zitiert Pilz aus Kühns „Kampfkunst in der Jugendarbeit. Modetrends, ‚Erlebnispädagogik’ oder sinnvolle Möglichkeit zu Selbstverwirklichung und Gewaltprävention?“, erschienen in „Deutsche Jugend (42), 1994, S. 488-497, in dem er folgende Vorteile von Kampfkünsten in der Jugendarbeit aufzählt:

  • Kampfkunst setzt an den Stärken von Jugendlichen, ihrem Erlebniswunsch und Bewegungsdrang an
  • Kampfkunst bietet einen ganzheitlichen Zugang im Sinne von Körper-Seele-Geist-Einheit
  • Kampfkunst bietet einen geschützten Erfahrungsraum zum Erleben verdeckter Gefühle und Erproben neuer Verhaltensweisen, insbesondere mit Gefühlen wie Angst, Unsicherheit, Wut, Aggression
  • Kampfkunst gibt durch den klaren sozialen und äußeren Rahmen klare Wertvorstellungen, Orientierungs-, und Verhaltenssicherheit
  • Kampfkunst ermöglicht die Erfahrung körperlicher Sinnlichkeit und fordert die Körperwahrnehmung
  • Kampfkunst ermöglicht direkte Erfolgserlebnisse über Körper- und Technikbeherrschung
  • Jugendliche lernen am Modell, am Vorbild des Lehrers, der Lehrerin
  • Kampfkunst fördert soziales Lernen, insbesondere Rücksichtnahme, Respekt, Verantwortung für sich und andere
  • Jugendliche werden nicht funktionalisiert, nicht zu Objekten der Pädagogik, sondern als Personen angesproche
  • Kampfkunst ermöglicht ein positives Verhältnis zu Autorität im Sinne der ursprünglichen Wortbedeutung von ‚vermehren, fördern’ zu entwickeln

Prof. Dr. Gunter A. Pilz in Judo - eine Chance in der Gewaltprävention? - HIER nachzulesen

Nach diesen Aussagen machen Kampfkünste keineswegs aggressiver, vielmehr kanalisieren sie Gewalt und Aggression. Weitere Argumente und Ausführungen können im Skript des erwähnten Vortrages von Prof. Dr. Pilz nachgelesen werden. An dieser Stelle soll nicht versäumt werden, die Rolle anderer, viel bekannterer Sportarten im Bezug auf Gewalt- und Aggressionsförderung in Frage zu stellen. „König Fußball“ muss als Paradebeispiel für die Legitimation von Gewalt und Aggression in der Öffentlichkeit genannt werden. Nicht umsonst gründeten verschiedene Bundesliga-Vereine sogenannte „Fanprojekte“, wie z.B. das von Hannover 96, in dem Gewaltprävention oberstes Ziel ist.

 

Mitgliedsvertrag herunterladen

Einfach online ausfüllen, ausdrucken, unterschreiben, zum nächsten Training mitbringen und sofort mittrainieren!

Anmeldung zum Anfängerkurs

×